"Das Kälbchen"

11.03.2025

Blog Geschichte

Ich kann Dich vor diesem Schmerz, egal welcher Art, nicht beschützen, aber was ich kann, ist Dir helfen, dass Du es mit Deinem Schmerz leichter hast.

Es war so gegen 21.20, mein Mann und ich waren schon im Bett. Ich wollte noch lesen. Da hörte ich es. Einen lauten Ruf … einen lauten Ruf von einer Kuh auf der Weide nicht weit von unserem Haus. Für die Uhrzeit sehr ungewöhnlich.

Nach einer viertel Stunde wurde ich nervös, weil ich mir dachte, dass da etwas nicht stimmt. In meinem rosa Bademantel und einer Taschenlampe in der Hand habe ich den kurzen Weg zur Weide genommen. Sehen konnte ich aber keine verletzte Kuh oder etwas, was ungewöhnlich war. Also bin ich zurück nach Hause.

Kaum war ich im Bett, habe ich sie wieder gehört. 

Ihren Ruf …

Ich habe meinen Mann gebeten, ob er mitkommen kann, dass wir es uns nochmal anschauen. Also haben wir uns warm angezogen und sind nochmal zur Weide hin. Da konnte ich mit der Taschenlampe erkennen, welche Kuh so laut ruft. Aber sie konnte gehen, war nicht verletzt oder steckte nicht irgendwo fest. Aber für die Uhrzeit war es sehr, sehr ungewöhnlich, weil die Tiere in der Nacht ruhen und ruhig sind.


Ich war verzweifelt, mal wieder. Was sollen wir tun???


Die Minuten vergingen, es war fast 23.45 und die Kuh rief immer noch, laut und lang. Ich habe mich ins Auto gesetzt und versucht, zu der Adresse des Bauern zu fahren.

Ja, da steht man, um Mitternacht überall dunkel, keine Menschen auf der Straße.

Wen soll ich fragen, wo der Bauer genau wohnt???


Die Tränen liefen schon an den Wangen runter…

So hilflos, so verloren, so allein habe ich mich gefühlt und sogar weitere hundert Meter entfernt hörte ich sie ...


in der dunklen Nacht... 

Ihren Ruf... 

Herzzerreißend …

(Foto Quelle- Alasdair Braxton/Pexels)


Ich habe bei einem Haus Licht gesehen und mich doch nicht getraut, um Mitternacht zu klingeln. Zu Hause angekommen dachte ich, wenn die Kuh doch Schmerzen oder sonstiges hat, und weil ich so feige bin und bei dem einem Haus nicht geklingelt habe,

... stirbt sie, dann bin ich schuld …

Mittlerweile war 00.20 und ihr Ruf war still. Ich habe sie nicht mehr gehört. Und diese Stille war noch schlimmer. Ich dachte, sie lebt vielleicht nicht mehr, sie hat aufgegeben, so wie ich bei der Suche nach Hilfe aufgegeben habe. 

Mal wieder habe ich zu den Sternen geschaut und gebeten, wo ich nicht weiter weiß, möge bitte das Universum helfen.

Am Morgen danach habe ich erfahren, dass der Kuh ein Kalb weggenommen worden war, deswegen diese lauten Rufe. Die Gründe für diese Trennung waren mir nicht bekannt.


das Kälbchen ...

(Foto Quelle- Jorge Alcala/Pexels)


Ab diesem Moment war ich wie versteinert. Dieser Schmerz in der Brust, diese Trauer, diese Wut, die ich verspürt habe, es war ein viel schlimmeres Gefühl als am Abend davor. 

Sie ist von ihrem "Kind" getrennt worden. Es wurde ihr weggenommen. Einfach von einer Minute auf die andere aus dem Leben gerissen. 

Einfach WEG !!! Für immer !!! Kein Weg führte mehr zurück! Das Kälbchen war für immer von seiner Mutter Kuh getrennt. Weg für IMMER !!!

Mein geliebtes Kälbchen ist weg !!!

Und plötzlich (weil ich mich mit Trauma und Bewusstseinsarbeit sehr lange beschäftige) erkannte ich das Muster.

Mein Kindheitstrauma ...

Meine Verlustängste … 

Meine Angst um meine geliebte Mutter, dass sie unter der gewalttätigen Hand von meinem Vater stirbt. Eine Angst von dieser Trennung, eine Trennung für immer ...

Es war Trauer … so wie bei der Kuh auch bei mir, weil mich die Situation wieder an meine eigene Geschichte erinnert hat. Weil ich diesen Schmerz sehr gut kannte. Trennung für IMMER.

Ich konnte die Kuh hören, wie sie nach ihrem Kälbchen ruft, was aber nicht mehr kommt. Genauso wie meine Mami nicht mehr kommt.

Es ist schlimm, wenn Mutter - Kind getrennt werden. Es hinterlässt tiefe Spuren.

Aber so ist das Leben … 

Wir erleben Verluste, die sehr traumatisiert sein können.



Ich kann Dich vor diesem Schmerz, egal welcher Art, nicht beschützen, aber was ich kann, ist Dir helfen, dass Du es mit Deinem Schmerz 

leichter hast ...

(Foto Quelle- Pranavsinh suratia/Pexels)



Ich hätte mir gewünscht, dass es nie so kommen musste, dass man diesen Schmerz erleben muss, dass Du diesen Schmerz erleben musst. Aber leider hast Du entweder schon so einen Schmerz erlebt oder er kommt noch. Weil, wenn man liebt, tut der Verlust weh, egal ob beim geliebten Menschen oder geliebten Vierbeiner. Wir leben nicht ewig. Es kommt der Tag, wo man für immer getrennt bleibt. Kein Weg mehr zurück.

Im Fall dieser Kuh war es die menschliche Hand, die für diese Trennung gesorgt hat. Bei der Trennung von meiner Mami hat der Krebs dafür gesorgt. Bei meiner Schwester hat der Autounfall dafür gesorgt. Bei meinem Papa war es der Schlaganfall und bei meinem geliebten Hündchen war es die Lungenfibrose.

Es gibt 1.000 Gründe, warum es so weit kommt. Was aber bleibt, ist dieser manchmal unerträgliche Schmerz, Wut, Trauer und letztendlich Trauma.

Ich hätte Dir von ganzem Herzen gewünscht, dass Du diesen Schmerz nie kennenlernen musst, nie erleben musst. Wo man hilflos da steht … und nichts mehr retten kann, nichts mehr tun kann.

Aber es gibt diese Theorie, dass wir Menschen durch solche schlimmen und schmerzhaften Erfahrungen häufig durch Leid lernfähig sind.

Wir lernen durch solche Erlebnisse mehr lieben, mehr mitfühlen, mehr menschlich sein.

Was für ein Paradox … erst, wenn Dir etwas Wertvolles genommen wird, dann lernst Du es schätzen. Diese Annahme trifft aber nicht auf Tiere zu. Diese lieben bedingungslos, egal wie grausam sie Menschen behandeln. Da können wir noch viel lernen.


Ich kann Dich von diesem Schmerz, egal welcher Art, nicht beschützen, aber was ich kann, ist Dir helfen, dass Du es mit Deinem Schmerz leichter hast.
Kommt mit mir …, ich zeige Dir wie das geht.💎


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